Ertrag aus Gebühren steigern

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16. September 2019
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Anja U. Kraus

Derzeit verschwinden in jedem Jahr 30 bis 50 Banken vom deutschen Markt. Der BaFin-Präsident geht davon aus, dass sich an dieser Situation auch künftig nicht viel verbessern wird, eher im Gegenteil: „Der Trend wird sich möglicherweise noch beschleunigen“, sagte Felix Hufeld in Bonn im Rahmen der BaFin Tech Konferenz.

 

Einen erheblichen Anteil an der Schuld tragen im extrem fragmentierten deutschen Markt wohl die Banken selbst, die sich mit zu vielen verschiedenen Modellen und der hohen Komplexität ihrer Produkte überlasten. Darüber hinaus haben sehr viele Institute ihre liebe Not mit teils hoffnungslos veralteten IT-Systemen. Damit ist dann das Durchhalten im Wettbewerb gegen die jungen FinTech-Konkurrenten schwer, die von Null und komplett ohne Altlasten durchstarten. Diese fokussieren auf Teilaspekte des Geschäfts, können ihre Ressourcen komplett darauf ausrichten, ihre Stärken konzentriert ausspielen und nehmen den etablierten Banken so sprichwörtlich die Butter vom Brot. 

Auch müssten die Banken dringend an der Kostenstruktur arbeiten, mahnte Hufeld in einem Pressegespräch. Nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit wies der Aufseher dabei darauf hin, dass der Ertragsmix deutscher Banken, also die Relation zwischen Erträgen aus Zinsen und aus Gebühren, nicht stimme. In Europa und speziell in Deutschland lebten die Banken zu etwa 70 Prozent von zinstragenden Ergebnissen, während der amerikanische Markt fast im gleichen Maß auf Provisionen baue. Es sei keinesfalls so, dass die US-amerikanischen Banken nur „besser aus der Finanzkrise“ gekommen seien, sie profitierten vielmehr von der dominanten Ertragsstärke durch höhere Gebühren. Eine „Wette auf die Zukunft“, also das Hoffen auf eine Zinswende in absehbarer Zeit, wird derzeit niemand abschließen wollen. Also sollten auch die europäischen und gerade die deutschen Banken versuchen, mehr Geld über Provisionen einzufahren. 

Gefragt sind höhere Provisionen

Hufeld ist Realist genug, um anzuerkennen, dass sich eine signifikante Provisionssteigerung nicht per Knopfdruck auslösen lässt. Es müsse aber trotzdem ein „zwingendes strategisches Bedürfnis“ sein, den Anteil gebührentragender Erträge im deutschen Bankensektor zu steigern um diesen robuster zu machen, mahnte er – jedoch vermisse er „jede ernsthafte übergreifende strategische Diskussion zu dem Thema“. Er forderte mehr Fokus auf diese Problematik und die schrittweise Umsetzung entsprechender Pläne. Es reiche nicht, über die EZB zu lamentieren und eine „Opfermentalität“ zu pflegen. Gefragt sei ein radikaleres Herangehen an die Geschäftsmodelle, an die Kostenbasis, gepaart mit weiterer Konsolidierung, und kein Verharren im Zustand des Sich-Beklagens, so Hufeld vor Journalisten in Bonn.

Zahlreiche IT-Pannen bei Banken 

Ein Thema, das in der Woche der PSD2-Umsetzung natürlich nicht fehlen durfte, waren die zahlreichen IT-Pannen, mit denen viele Banken zuletzt in der Kritik standen. Mal waren es Probleme beim Online Banking, dann konnten Daueraufträge ausgerechnet am Monatsende nicht ausgeführt werden oder die Kunden wurden am Geldautomaten abgewiesen. Insgesamt wurden der BaFin in den letzten beiden Jahren rund 500 IT-Sicherheitsvorfälle – vor allem aus dem Bereich Zahlungsverkehr – gemeldet, und die seien in den allermeisten Fällen auf hausinterne Schwächen der Banken zurückzuführen, sagte Jens Obermöller aus dem Bereich IT-Aufsicht. Gemeldet werden müssen nur signifikante Vorfälle, die beispielsweise den Ausfall des Online Bankings oder eine größere Zahl von Kunden betreffen. 

IT-Management nicht schlechter als früher, aber stärker im Fokus

Im Bereich der „Cyber-Hygiene“ kommen wieder die veralteten IT-Systeme ins Spiel: IT-Legacy mache es schwierig, Wartungsarbeiten durchzuführen, behindere aber auch Change-Management-Prozesse und Tests. Diese Themen finden sich nicht nur in den Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT), sondern würden künftig noch stärker in den Prüfungen vor Ort adressiert, so Obermöller. Aber auch hierbei erkenne die BaFin an, dass sich in der Praxis neue Systeme nicht im Handumdrehen in den Banken etablieren ließen, sondern dieser Übergangsprozess Zeit benötige.

„Das IT-Management in den Banken ist keineswegs schlechter geworden“, stellte Felix Hufeld aus seiner Sicht klar, aber durch die immer stärkere Abhängigkeit von den IT-Systemen, durch zunehmende Vernetzung und gestiegene Userzahlen erreiche ein kleiner Alltagsfehler heute viel größere Dimensionen als früher. Gerade die Vernetzung führe dazu, dass jeder kleine (Veränderungs-)Schritt zahlreiche Auswirkungen auf andere Marktteilnehmer bis hin zum Endnutzer mit sich bringe, ergänzte Obermöller. 

Aus bisheriger Sicht reicht für die BaFin das aufsichtliche Instrumentarium zur Durchsetzung von mehr Sicherheit aus. Es habe sich in den Prüfungen bislang als wirksam bewiesen, auch im Vergleich mit dem europäischen Umfeld. „Die Banken bewegen da schon eine ganze Menge“, lobte Obermöller. Hufeld bezeichnete dies als einen „Erziehungsprozess“, der nicht durch Verschärfung, sondern durch konsequente Anwendung getrieben werde. Für die IT-Sicherheit – eine für Banken noch vergleichsweise junge Disziplin – sei durchaus flächendeckendes Problembewusstsein vorhanden. 

Weiterführende Sanktionen sind derzeit offensichtlich nicht erforderlich. In aller Regel gebe es ohnehin keine böswilligen Verstöße, sondern es müssten vielmehr lauter Schwächen im Prozessalltag ausgemerzt werden, das geschehe durch operativen aufsichtlichen Druck, so Hufeld. Sanktionen würden erst bei wiederholten Verstößen bzw. Fehlern ausgesprochen – aber auch die gibt es durchaus, war in Bonn zu erfahren. 

 

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